
Kurze Zusammenfassung
Die Wirkursache (causa efficiens) beschreibt den Handelnden oder die Kraft, die etwas ins Dasein bringt und es von der Möglichkeit in die Wirklichkeit bewegt. In der christlichen Theologie ist Gott die letzte Wirkursache des Universums, der durch Seinen souveränen Willen schafft (1. Mose 1:1) und alle Dinge fortwährend erhält (Apostelgeschichte 17:28), was Ihn von geschaffenen Akteuren unterscheidet, die nur vorhandene Materie formen können.
Die Wirkursache (causa efficiens) beantwortet eine Frage, die keine Analyse der Materie allein lösen kann: Wer bringt etwas ins Dasein?
Die materielle Ursache erklärt, woraus eine Sache gemacht ist. Die Wirkursache erklärt, wie jener Stoff von der Möglichkeit in die Wirklichkeit bewegt wird. Sie betrifft die Täterschaft, nicht die Zusammensetzung. Es geht um denjenigen, der handelt, nicht um die Substanz, an der gehandelt wird.
Im aristotelischen Denken ist die Wirkursache die Quelle von Bewegung und Wandel. Ein Haus existiert, weil ein Baumeister baut. Eine Skulptur existiert, weil ein Künstler formt. Das Holz oder der Stein mögen bereits vorhanden sein, aber ohne einen Handelnden kommt nichts Neues ins Dasein. Materie organisiert sich nicht selbst. Möglichkeit verwirklicht sich nicht selbst. Jedes Werden erfordert eine Ursache, die handelt.
Dies führt unmittelbar ein tieferes Problem ein. Wenn jedes geschaffene Ding eine Wirkursache benötigt, dann muss jede Ursache selbst auch erklärt werden. Eine Kette von Handelnden kann sich nicht ohne Grund ewig rückwärts erstrecken. Aristoteles erkannte dies und schloss, dass die Wirklichkeit letztlich von einer ersten Ursache abhängt, die nicht selbst verursacht ist, einer Quelle des Handelns, die ihre Macht nicht von einem anderen ableitet.
Die Schrift spricht genau in dieser Sprache, wenngleich mit theologischer Klarheit statt philosophischer Abstraktion. Wenn die Genesis erklärt: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde“, beschreibt sie Gott nicht als einen Teilnehmer innerhalb der Natur, sondern als die Wirkursache der Natur selbst. Die Schöpfung ist nicht eine Neuordnung vorheriger Materialien. Sie ist die Tat, durch welche alle Materialien überhaupt erst Existenz empfangen.
Das Neue Testament vertieft diesen Anspruch. Kolosser 1:16 stellt fest, dass alles durch Christus und zu Christus hin geschaffen ist. Dies stellt Christus nicht als eine symbolische Gestalt dar, sondern als den persönlichen Mittler der Schöpfung. Alles, was existiert, verdankt seine Existenz einer göttlichen Tat. Apostelgeschichte 17:25 bekräftigt dies, indem es sagt, dass Gott jedermann Leben und Odem und alles gibt. Gott ist nicht nur die erste Ursache in der Zeit, sondern die fortwährende Ursache der Existenz. Die Schöpfung ist kein vollendetes Ereignis, das zurückgelassen wurde. Sie ist eine andauernde Abhängigkeit.
Die Wirkursache zieht daher eine strenge Linie zwischen Gott und der Schöpfung. Gott ist nicht eine Ursache unter vielen innerhalb des Universums. Er ist nicht die stärkste Kraft innerhalb eines Systems von Kräften. Er ist der Grund, warum überhaupt irgendein System existiert. Natürliche Prozesse beschreiben, wie geschaffene Dinge interagieren. Sie erklären nicht, warum es überhaupt etwas gibt, das interagieren kann.
Darum bleiben moderne Erklärungen, die Täterschaft durch Abstraktion ersetzen, unvollständig. Die Natur kann nicht ihre eigene Wirkursache sein. Die Evolution kann nicht ihr eigener Ursprung sein. Energie kann nicht erklären, warum Energie existiert. Jeder Begriff setzt Existenz voraus und kann daher Existenz nicht begründen. Die Wirkursache verlangt eine persönliche Quelle, die handelt, nicht einen unpersönlichen Prozess, der sich bloß entfaltet.
Die Wirkursache und das göttliche Wirken
In der Schrift ist die Wirkursache niemals mechanisch. Gott schafft durch Willen, nicht durch Notwendigkeit. Er spricht, und die Wirklichkeit antwortet. Darum wird die Schöpfung beständig als ein Akt des Befehls beschrieben: „Es werde“. Das Universum existiert, weil es angesprochen wird. Es wird von einem souveränen Handelnden ins Dasein gerufen.
Dies hat direkte Auswirkungen darauf, wie Gott sich zur Welt verhält. Gott ist nicht in der Schöpfung als eine abhängige Kraft eingeschlossen. Er ist frei. Er handelt, weil Er zu handeln erwählt. Die Schöpfung ist daher keine Erweiterung Gottes, sondern das Ergebnis Seiner Entscheidung. Die Wirkursache steht dem gegenüber, was sie verursacht.
Gleichzeitig weigert sich die Schrift, Gott von dem zu trennen, was Er schafft. Gott ist nicht fern. Apostelgeschichte 17:28 sagt, dass wir in Ihm leben, weben und sind. Die Wirkursache endet nicht im Augenblick der Schöpfung. Die Existenz selbst wird erhalten. Dasselbe göttliche Wirken, das die Welt ins Dasein rief, bewahrt sie davor, ins Nichts zusammenzufallen.
Dies macht die Wirkursache sowohl grundlegend als auch fortwährend. Gott ist nicht nur die Ursache des Anfangs. Er ist die Ursache des Fortbestands.
Die Wirkursache und das menschliche Handeln
Menschliche Wesen handeln auch als Wirkursachen, aber niemals im absoluten Sinne. Ein Mensch kann formen, bauen, schreiben, lehren und zerstören, aber er kann nicht etwas aus dem Nichts ins Dasein bringen. Menschliches Handeln ist immer sekundär. Es wirkt innerhalb einer bereits gegebenen Wirklichkeit.
Johannes 15:5 drückt diese Abhängigkeit mit Genauigkeit aus: Getrennt von Christus kommt nichts wahrhaftig in einem bleibenden Sinne zustande. Menschliche Verursachung existiert, aber sie ist geborgt. Sie funktioniert, weil göttliche Verursachung ihr vorausgeht und sie erhält.
Darum beschreibt die Schrift Gott als den Geber sowohl der Fähigkeit als auch der Gelegenheit. Menschliches Handeln ist real, aber es ist niemals unabhängig. Die Wirkursache menschlichen Handelns selbst ist göttliche Freigebigkeit. Was wir Freiheit nennen, wirkt innerhalb von Abhängigkeit.
Die Wirkursache begründet daher eine Hierarchie:
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Gott ist die primäre Wirkursache.
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Menschen sind abgeleitete Wirkursachen.
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Die Natur ist keine Ursache, sondern ein Feld, in dem Verursachung geschieht.
Dies bewahrt sowohl göttliche Souveränität als auch menschliche Verantwortlichkeit, ohne das eine in das andere zusammenfallen zu lassen.
Die Wirkursache lehrt letztlich, dass Existenz nicht aus sich selbst entspringt. Sie ist empfangen. Die materielle Ursache sagt: Ich bin gemacht. Die Wirkursache sagt: Ich wurde von einem anderen gemacht.
Zusammen bilden sie das Kernbekenntnis der biblischen Metaphysik: Nichts existiert durch Zufall. Nichts existiert aus sich selbst. Alles existiert, weil Gott handelt.


