
Kurze Zusammenfassung
Nein, „Christus“ ist kein Nachname im modernen Sinne, sondern ein Titel. Es ist die griechische Übersetzung des hebräischen Wortes Maschiach (Messias) und bedeutet „der Gesalbte“. Wenn das Neue Testament von „Jesus Christus“ spricht, ist dies keine Kombination aus Vor- und Nachname, sondern ein Glaubensbekenntnis: „Jesus ist der Messias“ (Apostelgeschichte 18:5). Zur Unterscheidung von Personen nutzte man im 1. Jahrhundert stattdessen den Herkunftsort (z. B. Jesus von Nazareth) oder den Namen des Vaters (z. B. Jesus, Sohn des Josef).
Moderne Leser nähern sich antiken Texten oft mit heutigen Vorstellungen von persönlicher Identität. Wenn der Name „Jesus Christus“ in Übersetzungen erscheint, ist es daher verlockend, ihn als eine vertraute Kombination aus Vor- und Nachnamen zu lesen. Doch diese Annahme bricht zusammen, wenn man sie vor dem Hintergrund der sprachlichen Gewohnheiten des frühen Christentums und der Namenskonventionen der jüdischen Welt des ersten Jahrhunderts betrachtet.


